Zur Feier seines120. Geburtstags hat sich der Obst- und Gartenbauverein Weilimdorf in die bunte Welt des schwäbischen Kabaretts, der Bauchrednerei und der Zauberei entführen lassen. Karl-Heinz Dünnbier begeisterte als Alleinunterhalter die 70 Gäste der Geburtstagsparty im Saal der Kirchengemeinde St. Theresia mit allerlei Tricks, Wortwitz, schauspielerischem Talent und Charme. Im Handumdrehen fügte er zwei Seile zu einem zusammen, nur um sie im nächsten Moment wieder zu teilen. Scheinbar schwerlos ließ er einen Kehrbesen, eines seiner schwäbischen Markenzeichen, tanzen. Immer wieder fragte sich das Publikum: Wie macht er das bloß? Manchmal, etwa bei seinem sich selbst verbiegenden Löffel, bot er mit einem versteckten Scharnier eine witzige Lösung an.
Dünnbier zeigte sich als Experte der schwäbischen Welterklärung. Casting zum Beispiel sei im Grunde urschwäbisch. Man müsse nur „Kaschdesding“ schnell genug sagen. Richtig geschrieben und gesprochen als Put-Zen habe die Kehrwoche eine meditative Dimension aus dem japanischen Zen-Buddhismus. Seine Landsleute bekamen bei dem Schwaben öfter ihr Fett weg. Auf einem Kreuzfahrtschiff würden sie mit Beifall geizen, weil sie meinen, sie hätten genug für das Ticket bezahlt. Großzügig würden sie dagegen beim Büffet zuschlagen, was in der Frage gipfelte, woran ein Kreuzfahrtschiff mit lauter Schwaben zu erkennen sei. Antwort: „Es fliegen keine Möwen hinterher.“
Bei Dünnbier tanzen die Puppen
Viel Applaus gab es für die beiden Auftritte als Bauchredner mit sprechenden Puppen. Die Ratte veredelte er zu einem politisch korrekten „Nagetier mit Kanalisationshintergrund“. Die Putzfrau Käthe erklärte ihr Lebensmotto so: „Ich turne bis zur Urne.“ Statt zum Zumba gehe sie zum „Ranze-Danze“. Es fehlte auch nicht der Grabspruch der Putzfrauen: „Sie kehrt nie wieder.“
Zu Beginn der Feier hatte Christian Hörne, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereines (OGV), die Gäste begrüßt und die Arbeit des Vereins vorgestellt. Ein Schwerpunkt seien die Pflege der Obstgehölze. Auch Anfang 2027 gebe es wieder zwei Schnittkurse. Stücklebesitzer könnten sich bei ihm melden, wenn sie einmal ihren Baumbestand fachgerecht schneiden lassen wollen. Hélène Stauß überbrachte die Glückwünsche des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Stuttgart. Bezirksvorsteher Julian Schahl musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen. In seinem schriftlichen Grußwort würdigte er die Bedeutung des OGV und seiner Mitglieder, die mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zum charakteristischen Landschaftsbild Weilimdorfs mit seinen Streuobstwiesen leisten würden.

Dekorativer Bühnenschmuck
Wechselvolle Geschichte
Als langjähriges OGV-Mitglied nahm Edeltraud John die Gäste mit auf eine Bilderreise durch die 120-jährige Vereinsgeschichte. 1906 sei der OGV als Zweckgemeinschaft zur Bekämpfung der Reblaus gegründet worden. Dass Weilimdorf damals durch Weinbau geprägt war, belegte sie mit zahlreichen Bildern von der 1974 abgebrochenen Kelter und großen heute noch vorhandenen Gewölbekellern. Schon nach wenigen Jahren gaben die Winzer 1910 den Kampf gegen den eingeschleppten Schädling verloren und ersetzten die Weinberge durch Obstanlagen. Die Nachfrage nach Mostobst war groß. In den Gemeinschaftsanlagen rund um den Ort wuchsen aber bald auch traditionsreiche Tafelobstsorten wie Boskoop oder Goldparmäne.
Christian Hörnle begrüßt die Gäste im Gemeindesaal von St. Theresia.
Edeltraud John gibt einen Einblick in die Geschichte des Vereins. 
Schillers Vater als Förderer des Obstbaus
Nur wenige Kilometer entfernt von Weilimdorf lebte viele Jahre auf Schloss Solitude Johann Kaspar Schiller der große Förderer des Obstbaus im Herzogtum Württemberg. Der Dichter-Vater hat Obstbäume veredelt und zahlreiche praktische Verbesserungsvorschläge für den ertragreichen Anbau gemacht, erzählte John in ihrem kurzweiligen Vortrag. Jahrzehntelang war Schiller ein gefragter Experte für Obstbau, sicher auch am Fuße des Schlosses.
